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Friedrich-Meister-Straße

 

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Wer war Friedrich Meister?

Am 14. Mai 1904 wurde Friedrich als Sohn der Eheleute Heinrich und Elisabethe Meister in der Hintergasse geboren. Dort lebten die meisten Familien in sehr bescheidenen Verhältnissen. Nach dem Besuch der Bürgerschule erlernte er den Beruf eines Tischlers. Alleinsein war nicht sein Ding. Schon in jungen Jahren suchte er Gesellschaften, wo etwas los war. So meldete er sich schon 1919 im Turnverein Stadtlengsfeld an.

 

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Drei Jahre später trat Friedrich in die Freiwillige Feuerwehr ein und blieb ihr ein Leben lang verbunden. Auch deshalb wurde er mit der Verdienstmedaille der Feuerwehr in Gold geehrt.

 

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1922 war Friedrich Kassierer im Fabrikarbeiterverband (FAV) in der Porzellanfabrik. Der FAV war eine sozialdemokratisch orientierte deutsche Gewerkschaft, die von 1890 bis 1933 bestand. Er setzte sich unter anderem das Ziel, ungelernte Fabrikarbeiter und Hilfsarbeiter gewerkschaftlich zu organisieren. Der Verband wurde 1933 durch die Nationalsozialisten gewaltsam zerschlagen und sein Vermögen beschlagnahmt. Die Organisation lebte nach dem 2. Weltkrieg in den Industriegewerkschaften der Bundesrepublik und der DDR wieder auf.

1923 gründete er in Stadtlengsfeld eine Ortsgruppe der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) die zahlenmäßig sehr schnell anwuchs. In ganz Deutschland hatte sie zeitweise über 100.000 Mitglieder. Noch im gleichen Jahr wurde Friedrich Meister Mitglied der SPD.

Nach der Gründung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold 1924 war er zweitweise Mitglied des Spielmannszuges in Stadtlengsfeld. Dort spielte er die große Pauke. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold   sicherte demokratische Wahlveranstaltungen, organisierte politische Bildung und wandte sich gegen rechts- und linksradikale Gruppen wie zum Beispiel den „Stahlhelm“ oder den „Roten Frontkämpferbund“ der KPD.

 

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Ab 1931 bildete das Reichsbanner gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD) die Eiserne Front, um sich wehrhaft gegen die Nationalsozialisten entgegenzusetzen.

Nach der Machtergreifung der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) wurde das Reichsbanner verboten. Viele Mitglieder wurden in Konzentrationslager gesperrt. Es wird gesagt, auch Friedrich Meister wäre nach der Machtergreifung der Faschisten verhaftet worden. Dafür finden sich keine Belege (mehr). Möglich aber ist das schon.

Nach der Niederlage der Faschisten 1945 beteiligte sich Friedrich Meister in Stadtlengsfeld sofort mit dem Wiederaufbau von Gewerkschaften. Der FDGB (Freier Deutsche Gewerkschaftsbund) wurde schon im März 1945 in Aachen gegründet. Da war der Zweite Weltkrieg noch gar nicht beendet. In den westlichen Besatzungszonen aber ließen die USA, Großbritannien und Frankreich die Organisation einer Einheitsgewerkschaft nicht zu. Freie Gewerkschaften auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone wurden im Juni 1945 durch einen Befehl der sowjetischen Militäradministration zugelassen. Seit dieser Zeit war Friedrich Meister viele Jahre Vorsitzender der Betriebsgewerkschaftsleitung in der Stadtverwaltung Stadtlengsfeld.

Von nun an war „der Fried“ – wie er von nun an so genannt und gerufen wurde – aus dem öffentlichen Leben unserer Stadt nicht mehr wegzudenken.

Die neuesten Nachrichten und Anordnungen aus der Stadtverwaltung wurden von ihm mündlich an mehreren Stellen im Ort ausgerufen. Vorher machte Friedrich mit einer Glocke auf sich aufmerksam. So gab er zum Beispiel bekannt, wann sich die Einwohner zum Kartoffelkäfersammeln einzufinden hatten, wann die nächste Stadtratsitzung stattfand oder wann das Wannenbad wieder geöffnet ist. Erst als der Ortsfunk eingerichtet wurde, ist „der Fried“ diese Aufgabe los. An diese Zeit erinnerte sich Friedrich im Umzug der 750-Jahrfeier 1985.

 

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Friedrich Meister wurde zunehmend der Mann für alle Fälle. Er wurde zum Einsargen geholt, wenn jemand starb und zunächst in das ehemalige Krankenhaus gebracht wurde. Später sorgte Friedrich Meister für den Bau einer Leichenhalle auf dem Friedhof. Er selbst leistete bei diesem Bau ungezählte Stunden. Friedrich sprach auch die letzten Worte bei Beerdigungen konfessionsloser Einwohner.

Seine Verbindung zu den Fußballmannschaften hatte er nie aufgegeben. Nicht als aktiver Spieler, sondern als „Sanitäter“ mit der „Ersten-Hilfe-Tasche“ bei den Heimspielen. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, dass das Foul an einen Heimspieler mit gleicher Münze zurückzuzahlen sei.

Beim Bau der Feldalichtspiele 1953 war er einer der Hauptinitiatoren. Fortan kontrollierte er die Eintrittskarten bei den Filmvorstellungen. Minderjährige und „Unruhestifter“ hatten bei den Abendvorstellungen keine Chance auf Einlass.

 

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Durch niemanden zu ersetzen waren seine Kenntnisse als „Wassermeister“ der Stadt. Nur er wusste, wo zu graben war, wenn die altersschwachen Leitungen ihren Geist aufgaben. Dann war schnellste Hilfe nötig, um größeren Wasserschaden an den Straßen und in den Wohnungen abzuwenden. Er war auch der Verantwortliche, der 1955 den Bau neuer Wasserleitungen aus den Quellen der Fischbach und von Menzengraben organisierte. Nur ihm verdanken es die Stadtlengsfelder Einwohner, dass das Schwimmbad „Zur Adolfsruh“ im Sommer immer wieder geöffnet werden konnte.

1961 setzte sich Friedrich Meister für die Neugestaltung des damaligen Viehhofes (heute Burgplatz) ein.

Ab 1962 war er Vorsitzender der Bau- und Wohungskommission. Gerieten Einwohner in Streitigkeiten, schlichtete er als Schiedsmann die Probleme. Viele Jahre arbeitete er als Schöffe bei den kommunalen Amtsgerichten. Unvergessen sollten auch seine Aktivitäten beim Deutschen Roten Kreuz, bei der Betriebssportbewegung „Chemie“ und bei der Arbeitsgemeinschaft „Karneval“ sein. Oft wurde gesagt: „Wenn der Fried einmal die Augen zutut, wer soll das dann alles bewältigen?“

 

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Friedrich Meister erhielt zahlreiche Ehrungen. Er wurde auch mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet, wie im Manuskript der Stadtverwaltung zu seinem Nachruf vermerkt wurde.

 

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Als er am 3. Oktober für immer die Augen schloss, war einer der bekanntesten und volkstümlichen Persönlichkeiten gestorben, die weit über die Stadtgrenzen hinaus sich durch ihre unermüdliche Tätigkeit Anerkennung und Achtung verschaffte. Der Stadtrat beschloss völlig zurecht Anfang der 90er Jahre eine neu entstandene Straße mit seinem Namen zu bezeichnen. Es ist die zweite Straße, die nach einem verdienstvollen Stadtlengsfelder Einwohner benannt wurde.

 

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